Tollwut wurde in Deutschland dank der Impfung von Füchsen ( die Hauptvirusträger ) fast vollständig ausgerottet. In Osteuropa und anderen Teilen der Welt ist das Risiko einer Infektion leider noch recht hoch.

Wie kann man sich infizieren?
Die Übertragung geschieht meist durch einen Biss des Tieres, aber auch durch Hautverletzungen oder den direkten Kontakt mit dem Speichel des infizierten Tieres  kann das Virus übertragen werden.
Eine unbehandelte Tollwuterkrankung endet immer tödlich.
Die Erkrankung mit Tollwut – eine Zoonose – wird durch neurotrope Viren der Familie der Rhabdoviren verursacht: Genus Lyssaviren.

Die Tollwut ist in vielen Teilen der Welt verbreitet. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jedes Jahr ungefähr 50.000 Menschen an Tollwut. Es ist aber mit einer erhöhten Dunkelziffer zu rechnen, besonders  in Asien und Afrika.
In Deutschland wurde durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen, vor allem durch die orale Immunisierung der Füchse, die Tollwut bei Wild- und Haustieren ausgerottet.

Neben Deutschland dürfen sich auch die Schweiz,  die Niederlande, Italien, Finnland, Luxemburg, Frankreich, Belgien sowie die Tschechische Republik  als ” frei von Tollwut ” bezeichnen.

Die Träger des Tollwutvirus waren in der Vergangenheit in unseren Gegenden die wild lebende Tiere sowie Haus- und Weidetiere.
Hunde und Katzen spielen als Expositionstiere für uns Menschen eine wichtige Rolle.
Nagetiere (z.B. Eichhörnchen, Ratten und Mäuse) haben als Reservoir  kaum Bedeutung.
In den Vereinigten Staaten stellen Stinktiere, Waschbären, Fledermäuse und Füchse die Hauptüberträger der Tollwut dar.

In Europa gibt es neben dem Fuchs auch ein Tollwutvirusreservoir bei den Fledermäusen, das jedoch unabhängig von der terrestrischen Tollwut zu sehen ist.

Nach der Infektion beim Tier kommt es am Ende der Inkubationszeit zur starken Virusvermehrung im ZNS und von dort zur Streuung des Erregers, wobei das Virus massenhaft im Speichel ausgeschieden wird.

Die tollwütigen, wildlebende Tiere verlieren nicht selten zu Beginn der Erkrankung ihre Scheu vor den Menschen. Ist ein sonst eher scheues Tier in seinem Verhalten verändert, d.h., hat es seine Scheu vor dem Menschen verloren, sollte auf genügend Abstand geachtet werden.
Hier gilt, dass die Vermeidung von Bisskontakt den besten Schutz vor einer Übertragung darstellt.

Wer sollte geimpft werden?
Da eine Tollwuterkrankung immer zum Tode führt, müssen präventive Maßnahmen bei potenziell Exponierten besonders wirksam sein und sofort  durchgeführt werden. Geimpft werden sollten:

  • Personal in Laboratorien mit Tollwutrisiko
  • Urlauber/Reisende, die in ein Land/Gebiet mit hohem Tollwutrisiko fahren
  • Tierärzte
  • Jäger, Förster, Forstpersonal
  • alle Menschen, die sich in Gebieten mit Tollwutrisiko aufhalten

Nach einer kompletten Grundimmunisierung beträgt die Schutzdauer der Impfung etwa 5 Jahre.
Zur Festlegung des exakten Auffrischungszeitpunktes ist eine Titerkontrolle vor der erneuten Impfung zu empfehlen. Bei Personen, die einem hohen  Risiko ausgesetzt sind, wird eine halbjährliche Kontrolle auf Antikörper empfohlen.
Eine Auffrischungsimpfung  wird bei einem Titern von < 0,5 IE/ml Serum empfohlen.

Wann wird geimpft?
Die Impfung kann auch Stunden nach einem Biss noch Erfolge aufweisen. Ist man von einem tollwütigen Tier verletzt worden, so bleibt für die Impfung  mehr Zeit, wenn die Wunde relativ weit vom Kopf entfernt ist und durch den Biss oder die Verletzung keine venösen Blutgefäße betroffen worden sind.

Bei der Impfung gegen Tollwut handelt es sich um einen Totimpfstoff, der meist aus inaktivierten Tollwut-Viren besteht.
Diese aktive Impfung wird in mehreren Dosen in Abständen von einigen Tagen bis Wochen in den Oberarm gespritzt.
Der genaue Impfplan ist abhängig vom jeweiligen Präparat.

Die Impfung muss ein Jahr nach den ersten Impfungen einmal wiederholt und danach alle 5 Jahre aufgefrischt werden.
Liegt eine Verletzung durch ein tollwutverdächtiges Tier vor, wird zunächst eine passive Immunisierung mit fertigen Antikörpern gespritzt.
Zur gleichen Zeit wird mit der aktiven Impfung begonnen.
Zudem muss der Tetanus-Titer kontrolliert werden.
Sinnvoll ist ein gründliches Waschen der Wunde mit Seife und Wasser, um so viel infektiöses Material wie möglich entfernen zu können.

Die Inkubationszeit liegt normalerweise in einem Zeitraum von 3 – 9 Wochen. In seltenen Fällen können 10 Tage unterschritten werden oder es kann auch eine Verlängerung von bis zu mehreren Jahren auftreten.

Wird die Person in der Nähe des Kopfes verletzt, so treten die Symptome recht schnell auf.

Wie lange wird das Virus ausgeschieden?
Füchse, Hunde und Katzen scheiden meist 3–8  Tage vor Auftreten von den klinischen Symptomen sowie während der gesamten Dauer der Erkrankung das Virus im Speichel aus -  und sind damit ansteckend.

Die Symptome beim Menschen
gliedern sich in 3 Stadien:

  1. Prodomalstadium:
    Hier treten Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit auf, manchmal auch Fieber. Außerdem brennt und juckt die Bisswunde. Schmerzen sind üblich.
  2. Akute neurologische Phase:
    Bei der enzephalitischen Form  kommt es meist zu einer ausgeprägten Hydrophobie.
    Das Schlucken fällt schwer, es kommt zu Krämpfen der Muskulatur des Schlundes, wodurch eine erhebliche Abneigung vor dem Trinken besteht. Außerdem fließt der Speichel aus dem Mund.
    Eine totale Abneigung gegen Wasser entsteht.
    Der Gemütszustand des Patienten wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung.
  3. Das Koma:
    Der Tod tritt meist im Koma ein – durch eine Atemlähmung .
    Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod liegt höchstens 1 Woche.

Tollwut ist eine meldepflichtige Erkrankung!

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